Das Projekt

Das Projekt PsychedELSI befasst sich mit ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die sich aus der psychedelisch unterstützten Psychotherapie ergeben, und begleitet die laufende Forschung kritisch. Das übergeordnete Ziel besteht darin, die Auswirkungen der psychedelischen Renaissance für Patient:innen, Therapeut:innen und andere Fachpersonen, politische Entscheidungstragende und die Gesellschaft zu klären und zu bewerten. Ziel ist es, die wissenschaftliche Grundlage für empirisch fundierte Entscheidungen über die bevorstehende Neuklassifizierung dieser Substanzen und weitere regulatorische und politische Fragen zu schaffen und wichtige Aspekte in der aktuellen Translationsphase psychedelischer Interventionen festzustellen. Zu diesem Zweck bündelt das Projekt Expertise aus folgenden Bereichen:

  1. Psychiatrie und Psychotherapie (Dr. med. Dimitris Repantis; Dr. Chiara Caporuscio; Dr. med. Astrid Gieselmann; Dr. sc. med. Christopher Poppe, Charité Berlin)

    Der Einsatz von Psychedelika im therapeutischen Umfeld wirft mehrere Fragen auf Ethik psychedelischer Therapien, zum Beispiel aufgrund der Vulnerabilität der Patienten während der Erfahrung und Machtungleichgewichten zwischen Therapeuten und Patienten. Darüber hinaus müssen die Bedingungen der Einwilligung nach Aufklärung für möglicherweise glaubens- und persönlichkeitsverändernde Interventionen und die Vorbereitung der Patienten auf eine Erfahrung geklärt werden, die viele als eine der bedeutungsvollsten Erfahrungen ihres Lebens betrachten. Auch, Risiken und Nutzen können zwischen verschiedenen Behandlungsmethoden unterschiedlich sein und die therapeutische Beziehung zwischen Patienten und Therapeuten kann sich ändern.

     

  2. Anthropologie (Prof. Dr. Nicolas Langlitz, The New School/RWTH Aachen University)

    Die Arbeit von Prof. Langlitz geht von einem aus Ethnografische Beschreibung und Analyse der Praxis der psychedelisch unterstützten Psychotherapie als Grundlage für dessen ethische und erkenntnistheoretische Bewertung sowie Regulierung. Bisher basierten wissenschaftliche Veröffentlichungen, die den Regulierungsprozess beeinflussen, auf randomisierten, placebokontrollierten Studien, in denen die Wirkung von psychedelischen Drogen untersucht wurde, nicht auf der Grundlage von Studien üben der psychedelischen Psychotherapie als Ganzes. Unsere Analyse konzentriert sich auf diese Praxis, die therapeutische Beziehung und die Werte und Normen, die derzeit die Forschung leiten.

     

  3. Philosophie (Dr. Sascha Benjamin Fink; Dr. Chiara Caporuscio, FAU Erlangen)

    Psychedelika werfen interessante philosophische Fragen auf. Beispielsweise erfordert die Beurteilung einer psychedelischen Therapie eine Analyse der epistemischer Status psychedelisch induzierter Erfahrungen: Sind es bloße Halluzinationen oder führen sie zu echten Erkenntnissen? Wären solche Eingriffe in ihre Glaubenssysteme ethisch vertretbar, wenn die pharmakologische Induktion mystischer Erfahrungen zu beruhigenden Wahnvorstellungen führen würde, die Patienten weniger ängstlich oder deprimiert fühlen ließen, indem sie ihre Ansichten über die Realität verzerrten? Wie lässt sich diese Art der Intervention mit der Art und Weise vergleichen, wie andere Psychopharmaka die Einstellung oder Persönlichkeit der Patienten verändern?

     

  4. Sozialwissenschaften (Univ.-Prof. Dr. Torsten H. Voigt; MA Minsu Yoo, RWTH Aachen)

    Die laufende Neubewertung der psychedelischen Therapie wird durch eine überwiegend positive Berichterstattung in den Medien widergespiegelt. Angesichts der Tatsache, dass westliche Gesellschaften in ihrer Haltung gegenüber bewusstseinsverändernden Drogen immer freizügiger werden, werden wir eine durchführen Umfrage zur Einstellung gegenüber psychedelischen Drogen und ihre Verwendung in der Psychotherapie, um Veränderungen in ihrer öffentlichen Wahrnehmung besser zu verstehen in Deutschland.

     

  5. Gesetz & Rechtsphilosophie (Dr. iur. Jan Christoph Bublitz, Universität Hamburg)

     

    Die psychedelische Renaissance wirft verschiedene ethische und regulatorische Fragen auf. Das Projekt analysiert rechtliche Aspekte auf verschiedenen Ebenen: internationale Drogenkontrollabkommen und Menschenrechtsgesetze, EU-Arzneimittelgesetze zur Marktzulassung, inländisches Betäubungsmittel- und Arzneimittelrecht sowie Regeln und Vorschriften der medizinischen und therapeutischen Praxis. Aufbauend auf der Arbeit der verschiedenen Projektpartner möchten wir politischen Entscheidungsträgern Leitlinien für zukünftige Vorschriften für Psychedelika bieten.